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Die gescannte Visitenkarte als Website

Vor ein paar Jahren saß ein Kunde bei mir am Tisch und hatte eine Idee, die ich bis heute nicht vergessen habe: Er wollte seine Visitenkarte einscannen und als Bild auf die Startseite seiner neuen Website setzen. Fertig. Das sollte die ganze Website sein.

Ich musste kurz überlegen, ob er das ernst meinte.

Er meinte es ernst.

Aus seiner Sicht war das völlig logisch: Die Visitenkarte hatte doch schon alles drauf, was ein Kunde wissen musste. Name, Branche, Telefonnummer. Warum sollte man das für eine Website nochmal neu erfinden?

Und genau da liegt das Missverständnis, das ich in dieser Region immer wieder sehe. Eine Website wird behandelt wie eine digitale Visitenkarte – etwas, das existiert, damit man online „auch dabei“ ist.

Nicht etwas, das eine Aufgabe hat.

Der Kunde war übrigens nicht dumm oder unbedarft. Er war einfach nie gefragt worden, wofür seine Website eigentlich da sein soll. Und das ist kein Einzelfall.

Die meisten Betriebe, mit denen ich arbeite, hatten diese Frage vorher nie gestellt bekommen – auch nicht von der letzten Agentur.

Visitenkarte Beispiel Webseite

Eine Visitenkarte hat eine andere Aufgabe als eine Website

Eine Visitenkarte bestätigt, dass es dich gibt. Sie wird weitergereicht, wenn der Kontakt schon steht. Sie muss niemanden überzeugen – der andere hat ja schon mit dir gesprochen.

Eine Website trifft dagegen fast immer auf jemanden, der dich noch nicht kennt. Jemand sucht bei Google nach „Tischler Lingen“ oder „Elektriker Emsland“ und landet bei dir, ohne dich je gesehen zu haben.

In diesem Moment muss die Website die Arbeit machen, die sonst ein persönliches Gespräch übernimmt: Vertrauen aufbauen, zeigen, was du kannst, und den nächsten Schritt so einfach wie möglich machen.

Eine gescannte Visitenkarte kann das nicht.

Sie beantwortet keine einzige Frage, die sich ein Interessent tatsächlich stellt: Macht dieser Betrieb, was ich brauche? Ist er in meiner Nähe? Wirkt er seriös? Wie melde ich mich?

Woran du erkennst, dass deine Website noch bei der Visitenkarte steht

Du musst dafür kein Webdesigner sein. Ein paar Fragen reichen: Wenn jemand deine Startseite zehn Sekunden lang ansieht – weiß diese Person danach, was du konkret anbietest? Nicht die Branche allgemein, sondern das konkrete Angebot.

Findet sie einen Weg, dich zu kontaktieren, ohne suchen zu müssen? Und sieht die Seite so aus, als würde sie heute noch gepflegt – oder wie ein digitales Relikt aus einer anderen Zeit?

Wenn du bei einer dieser Fragen zögerst, bist du nicht allein. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme, bei Betrieben, die sich nie hauptberuflich mit ihrer Website beschäftigt haben.

Wofür auch – ihr Geschäft ist das Handwerk, nicht das Marketing.

Was eine Website stattdessen leisten muss

Bevor irgendein Design-Element entsteht, sollten drei Dinge geklärt sein. Erstens: Welches konkrete Ziel hat die Website – mehr Anfragen, mehr Sichtbarkeit in der Region, oder schlicht ein besseres Ansehen bei bestehenden Kunden? Das sind drei verschiedene Websites, keine Variationen derselben.

Zweitens: Was soll jemand tun, nachdem er auf der Seite war? Anrufen, ein Formular ausfüllen, eine WhatsApp schreiben? Wenn diese Handlung nicht klar und einfach ist, verpufft jeder Besuch, egal wie schön die Seite aussieht.

Drittens: Wird die Seite überhaupt gefunden? Die schönste Website nützt nichts, wenn niemand sie bei Google sieht. Das ist ein eigenes Thema, aber es gehört von Anfang an mitgedacht, nicht als Nachgedanke nach dem Launch.

Der Kunde von damals

Zurück zu meinem Kunden mit der Visitenkarte: Wir haben am Ende keine gescannte Karte auf die Startseite gesetzt. Stattdessen haben wir uns erst einmal zusammengesetzt und geklärt, was er eigentlich wollte – mehr Anfragen aus der Region, ohne dass er selbst ständig hinterhertelefonieren musste.

Danach sah die Website völlig anders aus. Nicht schöner im Sinne von aufwendiger, sondern zielgerichteter.

Das ist der Unterschied, um den es mir geht: nicht mehr Design, sondern mehr Zweck.

Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass deine eigene Website eher wie eine digitale Visitenkarte wirkt als wie ein funktionierendes Werkzeug – das ist keine Schande, das ist der häufigste Ausgangspunkt, den ich sehe. Schreib mir kurz, ich schaue mir deine Seite 15 Minuten lang kostenlos an und sage dir ehrlich, wo sie gerade steht.

Frank

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